Sunday, 22 May 2016

GASPAR ABAULE

Gaspar traf auf die beiden das erste Mal am Mittwochnachmittag in einer kleinen Bar nicht weit vom Gare de l’Est, in der man kleine Kuchen und frische Kräuter frühstücken kann. In der Nachbarschaft gab es einen Kindergarten, und man sah durch die großen Fenster ständig Mütter und Väter mit ihren Kleinen die Straße entlanggehen. Das junge Paar saß sich an einem Tisch gegenüber, er hatte seinen wohlgeformtem Kopf geschoren und sie ihr dunkelbraunes Haar zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, der bis zu ihren Schultern reichte. Sie küssten sich und stützen sich dabei mit ihren Armen auf dem Tisch ab, so als würden sie auf etwas warten. Aber statt zu warten, küssten sie sich vor dem Mosaik an der Wand, das die Welt darstellte oder das, was man von ihr vor über fünfhundert Jahren kannte.

Als Gaspar ihnen das zweite Mal begegnete, kam er mit ihnen ins Gespräch. Er hatte sich mit seiner Freundin gerade in einem winzigen japanischem Restaurant bei der Oper an den schmalen und langen Tresen am Schaufenster gesetzt und das Tempuragemüse empfangen, als das junge Paar vor ihren Augen unvermittelt den Bordstein entlangging. Als Gaspar sie bemerkte, klopfte er ohne nachzudenken an die Scheibe. Sie sahen auf und kamen herein. Die beiden erinnerten sich an Gaspar und stellten sich vor, während sich eine japanische Kellnerin mit einem vollgestellten Tablett in den Händen hinter ihnen vorbeidrückte. Der junge Mann hieß Victor und die junge Frau Paris, so wie die Stadt, worauf Gaspars Freundin merkwürdig teilnahmslos reagierte.

Zuerst sahen alle stumm auf, dann fingen die ersten an zu schreien. Junge Frauen brachen in Tränen aus, einer der Köche verlor sein Gleichgewicht und stieß gegen zwei der mächtigen Töpfe, die anderen beiden tauchen hinter der Theke ab, Tische kippten um, manche riefen Namen, andere um Hilfe, eine Japanerin lag regungslos auf dem Boden, andere fassten nach ihrem eigenen Blut, so als wollten sie es festhalten. Es kam zwischen den Haaren auf die Stirn heraus oder durch die gelbe Bluse, es floss Arme hinunter und tropfte von den Fingern.

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